Texte

Die Arbeiten von Christiane Reiter sind Zeugen. Arbeitszeugen. Spuren. Nachweise eines Tuns, genauer, eines Ausführens von selbstauferlegten Regeln und Algorithmen, die dennoch keinem streng utilitaristischen Zweck folgen oder die bloß zwangsläufig notwendige Schritte eines ergebnisorientierten Produktionsprozesses markieren würden, sondern den Rahmen eines Suchens schaffen, das sich – kontinuierlich beschreibend und umschreibend – im Suchen selber findet.

Nicht Etwas. Oder Jemanden. Weder Rechtfertigung noch Definition oder sich selbst im Sinne einer Selbsterklärung.

Die methodisch zirkuläre Annäherung innerhalb strukturierter, konsequent meditativer und ordnender Vorgaben und Bahnen repräsentiert sich vielmehr als ein höchst intimer Selbstausdruck. Als eine Selbstgewissheit, die sich im Tun - nicht in der Definition - erfährt, indem sie sich ohne äußere Bedingungen, Stereotype oder Erwartungen auslebt und dabei - quasi selbstvergessen intrinsischen Trieben folgend -, die Konturen einer Identität und die bruchstückhaften Selbst-Ausdrücke dieser Identität aus sich heraus schafft und als Bedeutung speichert; vielschichtig und voller Unschärfen.

Notwendiger Unschärfen, die nicht etwa aus Inkonsequenz resultieren, sondern aus dem Wissen und der Erfahrung, dass jede Definition qua ihrer Funktion immer auch Einschränkung bedeutet; eine Grenzziehung und Vorbedingung, die aussondert, was sich nicht innerhalb der entsprechenden Prämissen und Zulässigkeiten bewegt und immer nur den Ausschnitt, das Stückwerk ihres jeweiligen Blickwinkels preisgibt. So muss das Ganze, will es ganz und wahrhaftig sein, seine Vielschichtigkeit bewahren und in der Schwebe bleiben, die seine Form bloß andeutet und in jener narrativen Mehrdeutigkeit belässt, die vielmehr der Poesie denn der Festlegung Rechnung trägt.

Insofern sind die künstlerisch verdichteten und kontemplativ oszillierenden Arbeiten nicht bloß Selbstausdrücke der Künstlerin, sondern thematisieren und repräsentieren schließlich eine ganz allgemeine menschliche Sehnsucht nach einer unverwechselbaren Identität, die immer und zwangsläufig mehr ist, als die Summe ihrer Einzelteile.

Daniel Zaman 2018

 

Artikel zur Ausstellung "der schwierige raum" 2015

Artikel zur Ausstellung "unortnung IV" 2008

Artikel zum Österr. Grafikwettbewerb 2007